Totenbrauch

Brandbestattungen bei den frühen Alamannen

Die frühen  Alamannen brachten ihre Bestattungssitten aus den ursprünglichen, elbgermanischen Siedlungsgebieten mit.  Daher überwog im 3. und 4. Jahrhundert klar die Brandbestattung. Körperbestattungen waren die große Ausnahme und vermutlich auf die Oberschicht beschränkt. Beiden Bestattungsformen war ein ausgeprägtes Beigabenwesen gemein. Dabei haben sich naturgemäß besonders bei Brandbestattungen nur die wenig vergänglichen Beigaben erhalten. Zu den gängigsten Beigaben der frühen Alamannen gehören neben Waffen vor allem Schmuck und Trachtbestandteile wie Fibeln.  Größere Beigaben wurden grundsätzlich unter den Urnen bestattet. Bei den Waffenbeigaben ist auffällig, dass wertvolle Stücke oft unbrauchbar gemacht wurden. Schwerter wurden meist zerbrochen oder verbogen. Daneben fallen symbolische (Pars Pro Toto ) Beigaben auf, die nahezu regelhaft zu finden sind.  Besonders regelhaft bei den Pars Pro Toto Beigaben sind drei Pfleilspitzen, die nach Material und Beschaffenheit wohl des Öfteren speziell für die Bestattung hergestellt und nicht gebrauchsfähig waren.

Reihengräberfelder

Ab etwa dem 5. Jahrhundert ändert sich der Bestattungsbrauch grundlegend. Anstelle der Brandbestattungen und vereinzelten Nord – Süd ausgerichteten Körperbestattungen kommen die Reihengräberfelder auf. Die Körperbestattung überwiegt ab dieser Zeit. Die Ausrichtung der Gräber ändert sich von Nord-Süd nach Ost-West. Die Gräber sind nunmehr auf Friedhöfen aneinander gereiht.  Die Beigabensitte wird dabei beibehalten. Naturgemäß liegen aus den Körpergräbern mehr und weitergehende Erkenntnisse zur Art und Gestaltung der Beigaben vor. Offenkundig wurden die Alamannen in ihren besten Kleidern zu Grabe getragen und, je nach Rang und Vermögen mit ihren wertvollsten Gütern ausgestattet. Meist findet sich in einfachen Männergräbern nur ein einfaches Messer. In reicheren Männergräbern dagegen sind vollständige Waffensets aus Schwert, Sax, Speer und Schild beigegeben. Helme sind selten.  Anderes  Rüstzeug, wie Kettenhemden etc. kommen fast nicht vor. Werkzeuge und landwirtschaftliche Geräte wurden nur ausnahmsweise beigegeben. Frauen dagegen sind in der Regel mit Ihrem Schmuck und den wesentlichsten Haushaltsgegenständen bestattet. Lebensmittel und  Wertgegenstände bis hin zu Möbeln ergänzen die Beigaben bei beiden Geschlechtern. Hinsichtlich der Beigaben unterscheiden sich Kindergräber nur wenig von denen Erwachsener.

Die Ausgestaltung der Gräber reicht von einfachen Totenbrettern über Baumsärge bis hin zu umfangreichen und aufwendigen Steinkammern. Dabei bestehen erhebliche Regionale Unterschiede.

Kirchgrablegen

Mit der zunehmenden „Christianisierung“ der Alamannen ab dem siebten Jahrhundert ändert sich der Grabbrauch erneut. Die Reihengräberfriedhöfe werden nach und nach aufgegeben und die Grablege erfolgt bei oder in den Kirchen.  Da die christlichen Jenseitsvorstellungen keine Beigaben mehr erfordern schwindet nach und nach die Beigabensitte.