Mode und Tracht im 6. Jahrhundert

Fundlage

Wie es bei fast allen Grabfunden der Merowingerzeit der Fall ist, wurden auch in der Alamannia und dem Hegau keine vollständig erhaltenen Kleidungsstücke gefunden. An Schmuckstücken und sonstigen Gegenständen haftende Stofffragmente ermöglichen jedoch gute Rückschlüsse auf die verwendeten Stoffe und Materialien, welche zum Teil von den Alamannen selber gewebt oder durch Händler aus dem Mittelmeerraum in die Alamannia importiert wurden.

Als Stoffe waren Leinen und Wolle verbreitet, es wurden jedoch auch mit Goldlahn, Perlen, Muscheln und Federn durchwirkte Stofffragmente gefunden. Sogar Baumwollfasern fand man in der Alamannia, welche wegen ihre Besonderheit zur Kleidung von höhergestellten Personen zugeordnet werden.

 

Tracht der Frau

 

Bei der Kleidung der Alamannin um 580 n.Chr wird von der 3-teiligen Tracht ausgegangen. Diese bestand aus Unterkleid, meistens aus Leinen, einem Oberkleid, Wollstoff, das dem merowingerzeitlichen Einfluss entsprechend mit farbigen Belegen besetzt sein konnte und dem Mantelkleid, das ebenfalls mit farbigen Belegen verziert wurde. Über die Länge der Kleider bestehen immer noch verschiedene Therorien und Auslegungen, der momentane Trend basierend auf Erkenntnissen der Textilarchäologie, beläuft sich jedoch auf einen Rocksaum auf der Höhe wechselnd zwischen waden- und knöchellang. Die Kleider wurden mit Fibeln verschlossen. Traditionell gehörte auch ein Gürtel mit Gürtelgehänge zur Frauentracht. Auf dieses Gürtelgehänge wird beim Schmuck noch genauer eingegangen.

An den Beinen trug die Alamannin kniehohe Wadenwickel, Wadenschläuche oder wie auch bei den Franken verbreitet, kniehohe Stoffstrümpfe, die mit Wadenriemen befestigt waren. Da es bis auf den in Oberflacht gefundenen Bundschuh keine weiteren Funde in der Alamannia gab, wird von Bundschuhen oder wendegenähten Schuhen ausgegangen.

 

Tracht des Mannes

Der Alamanne um 580 n.Chr trug meistens eine Leinentunika als Unterkleidung sowie eine Obertunika, die aus Leinen oder Wollstoff war. Auch hier wurde zeitweise die Merowinger-Mode mit farbigen Belegen getragen. Laut heutigen Erkenntnissen wird die erste Verwendung von Geren bei Tuniken auf das 7. Jahrhundert datiert. Da es ein paar wenige Darstellungen von Klappenrock tragenden Kriegern auf Steinfresken gibt, geht man davon aus, dass auch dieses Kleidungsstück in der Alamannia teilweise getragen wurde.

Das Thema Hosen ist ein weiteres Mysterium in der Alamannia. Man weiß, dass Hosen getragen wurden. Im berühmten Sängergrab von Trossingen wurde eine Hose aus Leinen in Fragmentform gefunden. Ebenfalls existiert der Fund einer Leinenhose im Klerikergrab in der Kirche St. Ulrich & Afra in Augsburg. Es wurden jedoch auch wollene Texilfragmente gefunden, die Hosen zu geordnet werden.

Von den Knöcheln bis zum Knie wurden die Hosen entweder mit Lederriemen gebunden oder mit Wadenwickeln umwickelt, jedoch im Gegensatz zu späteren Funden gab es im 6. Jhd noch keine Häkchen für Wadenwickel. Auch hier wird von Bundschuhen oder wendegenähten Schuhen ausgegangen.