Kaltzeit im 6. Jahrhundert

Für das Jahr 535 oder 536 berichten Prokop und Cassiodorus von einer fast ein Jahr andauernden Finsternis. Darauf folgte eine Wetterverschlechterung, die bis ca. 542 anhielt.

Als eine der warscheinlichsten Ursachen wird ein Vulkanausbruch in der Nähe des Äquators diskutiert. Lange wurden die Vulkane Tavurvur auf Papua - Neuguinea oder der Proto-Krakatau als Verursacher diskutiert. Seit wenigen Jahren ist auch der Ilopango in San Salvador ins Blickfeld gerückt.

Durch diese nachhaltige globale Wetterverschlechterung sind für den Mittelmeerraum Mssernten und Hungersnöte dokumentiert. Der Vormarsch der Pest im Mittelmeerraum wurde durch den schlechteren Ernährungszustand der Bevölkerung gefördert.

Auch die Alamannen waren merklich von diesem Ereignis betroffen. Für die Alamannia fehlen Schriftquellen, die Auskunft über die Auswirkungen geben können. Anthropologische Untersuchungen der Skelette aus Reihengräberfeldern zeigen jedoch für das sechste Jahrhundert eine deutliche Zunahme von hungerbedingten Wachstumstörungen (Harris - Linien) und eine leichte Abnahme der durchschnittlichen Körpergröße der Alamannen. Für konkrete Aussagen sind noch zu wenige Befunde untersucht und dokumentiert.

Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass diese Zwischenkaltzeit das Leben der Alamannen in allen wesentlichen Aspekten beeinflusste. Im Besonderen dürfte sie auch eine der Ursachen für die im 6. und 7. Jahrhundert zu beobachtenden Änderungen im Getreideanbau, insbesondere für die letztliche Einführung des Nacktweizens in der Alamannia sein.