Herrschaft & Gesellschaft

Könige und Herzöge

Im Gegensatz zur früheren Auffassung geht man heute davon aus, dass die Alamannen von sich aus niemals eine einheitliche Herrschaftsstruktur entwickelten. Vielmehr bildeten sich regionale Stämme wie Lentienser (Linzgau), Bucobinaten (Mainz), Brisgavi (Breisgau) Juthungen etc. heraus, die jeweils über eigene Herrschaftsstrukturen verfügten. Dabei lösten die Regionalnamen weitgehend die fürheren Stammesnamen der Einwanderer ab. Dies spiegelt sich auch darin, dass in der römischen Geschichtsschreibung immer wieder von den reges et reguli (Königen und Kleinkönigen) der Alamannen die Rede ist, niemals aber von einem Rex. Die Kleinkönigtümer behielten ihre Selbständigkeit bis zur fränkischen Eroberung. Nur so ist zu erklären, dass lt. Gregor von Tours in den Jahren 496/497 bis ca. 506 die Franken in mehreren Schlachten die endgültig über die Alamannen und ihren (einheitlichen) König siegten.

Nach der Eroberung durch die Franken blieb der alamannische Adel zunächst weitgehend erhalten. Insbesondere das alamannsiche Herzogtum wurde durch die Merowinger als Amtsadel fortgeführt. Allerdings kam es immer wieder zu Aufständen, so dass die fränkischen Karolinger unter Karlmann 746 das alamannische Herzogtum beendeten (Blutgericht von Cannstadt).

 

Gesellschaft

Die Alamannische Gesellschaft war im wesentlichen nach Rängen gestaffelt. Neben die Unterteilung in die drei Grundtypen Unfreie und Sklaven (Servi), Halbfreie (Laten) und Freie (liberi oder ingenui) kannte sie noch weitere Unterteilungen im Bereich der Freien, die sich im wesentlichen am Vermögen und Ansehen einer Person orientierten. Diese Ränge spiegelten sich warscheinlich auch in der Ausstattung der Gräber. Sowohl die Grabinventare, als auch genetische Untersuchungen weisen darauf hin, dass zwischen den Rängen eine erhebliche Durchlässigkeit gegeben war. Die Soziale Stellung war mehr von Leistung, Vermögen und persönlichem Ansehen als von der Geburt her bestimmt. Gesellschaftlicher Auf- und Abstieg waren jederzeit möglich.