Ehe & Familie

Ehe bei den Alamannen

Die Archäologische Fundlage und die Quellen lassen einige Rückschlüsse auf die Gestaltung von Ehe und Familie bei den Germanen im Allgemeinen und den Alamannen im Besonderen zu.

Bereits Tacitus beschrieb eine strang monogame germanische Ehe mit den Worten: „Indessen sind dort die Ehen streng, und gar keinen Theil der Sitten darf man mehr loben. Denn fast nur sie allein unter den Barbaren sind mit Einer Frau zufrieden, ganz wenige ausgenommen, welche nicht der Wollust zuliebe, sondern ob ihres hohen Adels mit gar vielen Heirathen umworben werden. Ehegabe bietet nicht die Frau dem Manne, sondern der Frau der Mann.“. Allerdings ist, wie bei allen Passagen der Germania, die die Sittenstrenge der Germanen beschreiben zumindest zweifelhaft, ob seine Darstellung den Tatsachen entspricht, oder angepasst wurde um der römischen Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten. Aussagekräftiger sind in diesem Punkt sicher die Leges Alamannorum und die Auswertungen von Grabfunden.

Die Ausgestaltung der Ehe und des Güterstands spielt im Lext Alamannorum eine wesentlich größere Rolle als im früheren Pactus Alamannorum. Auffällig ist, dass es keine rangbezogenen Eheverbote gibt. Die Ehe zwischen Freien und Unfreien bzw. halbfreien war wohl nicht nur möglich, sondern auch üblich. Darauf weisen auch die genetischen Untersuchen im Gräberfeld Weingarten hin. Ehen unter Verwanden waren dagegen verboten, wobei der Verwandschaftsbegriff weiter als heute gefasst war. Gleichzeitig deutet die Schwere der Strafe darauf hin, dass Verstöße gegen die Eheverbote nicht selten vorkamen.

Lex Alamannorum, 39. [Von uner1aubten Ehen.]
[Unerlaubte oder] blutschänderische Ehen verbieten wir. Daher sei es nicht verstattet als Ehefrau zu haben die Schwiegermutter, die Schwiegertochter, die Stieftochter, die Stiefmutter, die Tochter des Bruders, die Tochter der Schwester, des Bruders Ehefrau, der Ehefrau Schwester. Bruderkinder, Schwesterkinder sollen miteinander unter keinem Vorwand verbunden werden. Wenn jemand hierwider handelt, werde er von des Orts Richtern getrennt und verliere alles [sein] Vermögen, welches der Fiskus gewinne. Wenn es geringere Personen sind, die sich mit unerlaubter Verbindung befleckt haben, sollen sie die Freiheit verlieren, um den Fiskalknechten zugesellt zu werden.

Aufgrund der weit greifenden Eheverbote und der geringen Größe der Siedlungen wird davon auszugehen sein, dass Eheschließungen in der Regel mit dem Umzug eines der Ehepartner verbunden waren. Dabei weisen genetische Untersuchungen darauf hin, dass in der Regel die Frau zum Mann zog (Patrilokalität).

Ehescheidung

Die Ehescheidung war grundsätzlich möglich. so regeln diverse Ziffern im den Leges Alamannorum den Güterstand im Falle der Scheidung. Dabei gehen die Gesetze von der einvernehmlichen Scheidung aus. Die einseitige Scheidung (durch Entlassen der Ehefrau) war mit einem Schadenerstatz für die Ehefrau belegt, wurde also deliktisch gewertet.

Schutz der Ehe

Mit zunehmender Christianisierung kommen zudem im Lex Alamannorum weitere Schutzvorschriften auf, während die Scheidungsnorman in den Hintergrund treten. Insbesondere werden Ehebruch und Wegnahme der Ehefrau schwerer bestraft.

Morgengabe

Erbrechtlich erhielt die Ehefrau einen Sonderstatus. Zum einen wurde die erbrechtliche Stellung der Ehefrau durch eine gesetzlich festgelegte Ehegabe gesichert. Zum Anderen konnte sie durch Eid Güter als Morgengabe deklarieren, die ihr sodann zustanden. Der Streit über die Ehegabe ist eine der wenigen Normen im Lex Alamannorum die ausdrücklich den Zweikampf als Mittel der Rechtsfindung kennt (54 Lex Alamannorum).