Bewaffnung 6. Jahrhundert

Die Waffen der Alamannen in der Merowingerzeit

Ein Bestandteil der Tracht eines freien Alamannen ist seine Bewaffnung. Dabei richtet sich die Zusammenstellung und Qualität der Waffen zum einen nach dem sozialen Status und wirtschaftlichen Vermögen des Trägers, zum anderen aber auch nach seinem Alter. Im Wesentlichen sind in alamannischen Reihengräbern der Merowingerzeit die folgenden Waffentypen zu finden:

Der Sax

Etwa um das Jahr 500 geriet bei den Alamannen die Axt als Standardwaffe aus der Mode. Sie wurde weitgehend von dem bereits zuvor bekannten einschneidigen Hiebmesser oder Hiebschwert (Sax) abgelöst.
Der Sax kann als Hieb- und Stichwaffe eingesetzt werden. Im Verlauf der Merowingerzeit wurden die Saxe ständig weiterentwickelt. Insbesondere nahmen Länge und Gewicht nahezu regelmäßig zu. Die Spitzen der süddeutschen Saxe der Merowingerzeit lagen meist etwa in der Mitte der Klinge. Ab dem dritten Drittel des 6. Jahrhunderts trat neben den gängigen Kurz- und Schmalsaxen (auch frühes Langsax) auch das Sax mit überlanger Griffangel auf. Bei diesem Saxtyp mit 20 cm und mehr Grifflänge wurde durch die Verlängerung des Griffs eine Gewichtseinsparung bei gleichzeitigem Reichweitengewinn erreicht. Es ist umstritten, ob diese Saxe auch beidhändig geführt wurden. Im 7. Jahrhundert entwickelten sich dann die schweren Breitsaxe und später die längeren und schlankeren Langsaxe. Ab dem 8. Jahrhundert kamen die Saxe allmählich aus der Mode.
Die Saxe stellen in der gesamten Merowingerzeit die verbreitetste Waffe der Alamannen dar. Allerdings bestehen deutliche regionale Unterschiede hinsichtlich der genauen Ausführung der Saxe und Ihrer Tragweise. So sind z. B. im Gräberfeld von Stetten an der Donau Saxe mit überlanger Griffangel deutlich überrepräsentiert. Im Hegau und in angrenzenden Gebieten wurde der Sax, nach Fundlage, häufig parallel zum Bein getragen. In den meisten anderen Regionen war der Sax eher schräg am Gürtel angebracht. Die Tragweise reicht dabei von schräg vor der Hüfte bis fast waagerecht auf dem Rücken. Die Scheiden der Saxe waren aufwändig mit Nieten, Buntmetall und Punzierungen verziert.

Die Spatha

Das zweischneidige Langschwert der Germanen (Spatha) fand auch in der Merowingerzeit Verwendung. Sie war jedoch im wesentlichen auf die gesellschaftliche Oberschicht sowie auf Männer ab 40 Jahren beschränkt. Die Spathen waren in der Regel zwischen 80 und 100 cm lang und 4 bis 5 cm breit. Knauf, Griff, Parierstange und Scheide der Spatha wurden aufwändig verziert. Diese Verzierungen gingen so weit, dass bei einigen Funden wohl eher von einer reinen Repräsentationswaffe ausgegangen werden kann (z. B. Goldgriffspathen).

Der Schild

Der Schild ist die einzige wirklich verbreitete Defensivwaffe der Alamannen in der Merowingerzeit. Helme und Rüstzeug wurden zwar auch gefunden, kommen aber derart selten vor, dass davon ausgegangen werden kann, dass neben dem Schild in der Regel allenfalls textile Rüstungen getragen wurden.

In der Merowingerzeit waren kreisrunde Schilde mit 80 und mehr Zentimetern Durchmesser in Gebrauch. Die Handhabe in der Mitte des Schilds wurde durch einen eisernen Schuldbuckel geschützt. Bis Ende des 6. Jahrhunderts waren die Schilde wohl überwiegend flach. Später setzten sich zunehmend gewölbte Schildformen durch.

Speer und Lanze

Speere und Lanzen traten in der Merowingerzeit selten als eigenständige, unabhängige Bewaffnung auf. Sie wurden meist um Verbund mit Sax und Schild gefunden. Speere konnten sowohl als Distanzwaffe geworfen, als auch im Nahkampf als Fecht- und Stichwaffe eingesetzt werden.

Bögen und Pfeile

Pfeilspitzen wurden insbesondere in Gräbern mit ansonsten ärmerer Ausstattung gefunden. Dies zeigt, dass sich weniger bemittelte Alamannen zumindest diese, überwiegend aus Holz bestehenden Waffen leisten konnten. Bei den Bögen handelte es sich regelmäßig um Langbögen.

Franzisken und Angonen

Die Franziska (fränkische Wurfaxt) und der Ango (fränkischer Widerhakenspeer) sind in alamannischen Gräberfeldern recht selten. Teilweise werden sie dem fränkischen Amtsadel im Alamannischen Gebiet zugesprochen.

Messer

Messer, als Gebrauchsmesser oder Kleinstwaffe gehören zur regelmäßigen Ausstattung der Alamannen.

Kampfweise

Aus der Zuzammensetzung der Bewaffunge kann gefolgert werden, dass sich der Kampf in geschlossener Formation (Schildwall) insbesondere für militärische Auseinandersetzungen bewährt hatte und beibehalten wurde. Allerdings spricht die Wölbung der Schilde, die sich im 7. und 8. Jahrhundert immer mehr verbreitet dafür, dass ab dieser Zeit die Formationen zumindest zum Teil wieder aufgelöst wurden.